Frau Krott und die Pelze

Veröffentlicht am 16. Februar 2026 um 11:44

Frau Krott und die Pelze

 

Die Frau Krott hat gerade vom Zeisig einen Aufruf zugeschickt bekommen, in dem es um die Abschaffung von Pelzfarmen in der EU geht

Eigentlich, dachte die Krott, wäre das Thema schon lange erledigt. Schließlich ist es doch nur knapp sechs Jahre her, dass sie in Dänemark 17 Millionen Nerze gekeult und verbuddelt hatten. Weil da eine Seuche ausgebrochen war und sie Angst hatten, es würde die Dänen ausrotten.  Es gab damals nur ungefähr 6 Millionen Dänen, und bei einer Ratio von 3:1 war es logisch, dass man nicht wollte, dass die Nerze Dänemark übernehmen. Obwohl – die Nerze wurden doch in Farmen in Käfigen gehalten. Die wären doch so oder so eingegangen an Langeweile. Auf alle Fälle war die Krott der Meinung, dass die Leute damals was gelernt haben. Aber anscheinend war die Meinung falsch.



Als sie den Zeisig deswegen befragt, erklärt er ihr, dass es hier darum geht, dass es Menschen gibt, die einerseits ihr Körperhaar auf Brust, unter den Achseln, an den Beinen und im Intimbereich teilweise recht schmerzhaft entfernen lassen, um sich dann recht teuer wiederum in Jacken, Mäntel und 


Eigentlich mag die Krott ja Pelz. So an Hasen, Lämmern, Füchsen, Hunden, Katzen und so. Was sie nicht ganz versteht, ist, wieso diese Pelzträger eine Farm brauchen, um die Pelze anzubauen. Sie hat immer gedacht, dass Pelz von selber wächst.

 


Ähnliches hüllen zu können, die aus Fell bzw. Pelzen gefertigt wurden, die man den rechtmäßigen Besitzern unter recht fragwürdigen und für die Besitzer fatalen Methoden entwendet. Diese Methode ist für die rechtmäßigen Besitzer der Pelze schmerzhaft und für die unrechtmäßigen Erwerber vor allem teuer.

Die Krott blinzelt ungläubig. Sie mag zwar gerne gestrickte Pullis aus Wolle und so, aber soweit sie weiß, muss man die Schafe oder Alpakas nicht töten, um an die Wolle zu kommen. Auch mag sie Baumwolle recht gern, aber soweit sie weiß, ist das erstmal auch nicht tödlich, wobei sie sich da nicht so sicher ist, alldieweil Baumwolle recht viel Wasser zum Anbau braucht und wohl auch viel Pestizide. Aber das ist ein anderes Thema…

Frau Krott fragt sich, warum man einen Aufruf starten muss, um so einen Blödsinn zu verbieten. Schließlich ist sowas eigentlich ganz offensichtlich nur dumm.

Der Zeisig erklärt ihr, dass es Leute gibt, die mehr Geld als Verstand haben und sich immer neue Möglichkeiten suchen, ihr Geld aus dem Fenster zu werfen, um nicht ganz den Verstand zu verlieren.


Eine Methode, neben Fahrten ins Weltall oder mit einem klapprigen U-Boot in die Tiefsee, ist es, sich möglichst junge, „schöne" Frauen zu gönnen, wenn man einer dieser Milliardäre ist. Diese Frauen heißen dann ja auch Trophäen-Frauen. Und um zu zeigen, dass Mann sich die Frauen leisten kann, hängt man denen dann teuren Schmuck und Pelze um.

Die Frauen, die selber Millionärinnen sind, nehmen sich dann gerne junge Liebhaber, aber hängen sich lieber den Schmuck und die Pelze selber um. Die Krott fragt sich, warum sie dann die jungen Liebhaber brauchen… Aber das Ganze ist wahrscheinlich so eine Art moderner Sklavenhandel. Wobei manchmal nicht so ganz klar ist, wer eigentlich wen jagt. Die Milliardäre die Trophy Wives oder die Trophy Wives die Milliardäre?

Die Krott denkt sich: Es wäre auf alle Fälle sinnvoller, wenn die Jagenden sich selbst mit Fangeisen ausstatten und ihre Trophäen so erlegen, anstatt das mit den Fellen zu tun. Direkter auf alle Fälle.


Komischerweise haben diese Menschen dann auch oft kleine Hunde und Katzen, passend zu ihren Handtaschen. Diese Tierchen sind so eine Art Plüschtierersatz. Weil die Tierchen oft nicht sehr lange leben – weil die Haltung eigentlich nicht artgerecht ist oder sie nicht mehr zur Handtasche passen. Aber der Tierschutz mischt sich da nicht ein, denn:


Diese sogenannten „oberen Zehntausend" bezahlen Leute dafür, dass sie bei den sogenannten „Entscheidungsträgern" solange rummäkeln und vielleicht auch mal das eine oder andere „Geschenk" liegen lassen, dass die Entscheidungsträger schließlich einknicken und Sachen beschließen, die für die Leute, für die die Entscheidungsträger eigentlich zuständig sind, nicht nachvollziehbar oder sogar schädlich sind.

Diese Typen, die die Entscheidungsträger so beeinflussen, nennt man Lobbyisten. Lobby heißt, so findet die Krott heraus, eigentlich so eine Art Vorraum oder Eingangsbereich, z.B. in einem Parlament. Und die heißen Lobbyisten, weil sie ursprünglich da den Parlamentariern aufgelauert haben, um ihnen eine Meinung nahezulegen.

Heutzutage ist Lobbyist ein Berufsbild. Jemand bezahlt den Typen und -innen einen Haufen Geld, „damit sie den Politikern helfen, die richtige Entscheidung zu treffen" – liest sie in einem Internetbeitrag, der das Thema für Kinder erklärt. Richtig heißt in dem Fall: Im Sinne der Personen, die die Lobbyisten bezahlen, nicht unbedingt im Sinne des Allgemeinwohls oder des gesunden Menschenverstandes. Und da Fellbesitzer selten genug Geld haben, werden sie wohl keine Lobbyisten bezahlen können. Es sei denn, sie verkaufen ihren Pelz… aber das könnte Probleme mit sich bringen, denkt sich die Krott.

Die Krott denkt noch ein bisschen weiter: Eigentlich sind diese Entscheidungsträger doch gewählt worden von den Leuten, die die große Menge ausmacht. Also von der Masse der Leute, die weniger Geld, aber vielleicht doch ein wenig Verstand besitzen. Wobei sie als Erste zugeben würde, dass der Mangel des einen nicht automatisch dazu führt, dass der andere dafür umso mehr vorhanden ist.

Aber auf alle Fälle sind das auch die Leute, die diese Typen bezahlen, via Steuergelder. Also quasi sind die Krott, der Zeisig und noch ein paar Millionen Leute mehr die Arbeitgeber von den Typen, die Gesetze beschließen.

Deshalb, damit die sogenannten „kleinen Leute", also die, wozu auch die Krott und der Zeisig gehören, ihre Stimme erheben können, gibt es die Möglichkeit, Petitionen zu unterzeichnen. Das ist deutlich mühsamer, aber manchmal hilft es, die Parlamentarier daran zu erinnern, wer sie eigentlich beauftragt hat: Nämlich nicht die Leute, die so viel Geld haben, dass sie extra Leute bezahlen, die dafür sorgen, dass von dem vielen Geld keine Steuern gezahlt werden, damit sie mit dem ersparten Geld Lobbyisten zahlen können und sich Pelze kaufen können.

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