Umweltnazi?

Veröffentlicht am 15. März 2024 um 19:42

Umweltnazi?
Eigentlich bin ich keiner. Aber vielleicht doch?
Kennen Sie das: Ein Hundebesitzer steht an einem Grünstreifen und betrachtet ganz interessiert einen Strauch, die Leine in der Hand, während Fifi, Fido oder Hektor am anderen Ende in gekrümmter Haltung sein Geschäftchen macht. Anschließend wandert Frauchen oder respektive Herrchen weiter, und tut so, als würde ihn die Hinterlassenschaft nichts angehen. Schließlich zahlt man Hundesteuer und es ist eh biologisch abbaubar.
Die Wahrscheinlichkeit, dass der/die/das Hundebesitzer einen Strafzettel für die Ordnungswidrigkeit*erhält, ist relativ gering. Wobei, wenn, dann ist sie recht saftig. Je nach Gemeinde liegen die dafür verhängten Strafzettel zwischen € 20,00 und € 150,00.
Kleines Kuriosum am Rande: In Rheinland-Pfalz liegt die Strafe zwischen € 10,23 und €25,56.

*Quelle: https://www.bussgeldkatalog.org/umwelt-hundekot/*


Wir sind uns wohl inzwischen im Großen und Ganzen einig, dass wir die Hinterlassenschaften unserer Begleiter aufsammeln. Auch auf Wiesen, weil wir inzwischen schon wissen, dass Kühe Hundescheiße in ihrem Essen nicht appetitlich finden und den Bauern somit durchaus empfindliche Einbußen drohen können. Und wir reden hier nicht über durch Hundekot übertragbare Krankheiten. Denn die gibt es auch noch.
Wenn ich also einen lieben Hundebesitzerkollegen sehe, der wahrscheinlich einfach vergessen hat, einen Hundekackbeutel mitzunehmen, bin ich immer sehr freundlich und reiche ihm einen mit einem freundlichen Lächeln.


Ich bin übrigens Nichtraucher.
Mein Suchtmittel ist Schokolade und Eis und Chips. Diese Sucht wird meist zu Hause auf dem Sofa ausgelebt und deswegen landen die Hinterlassenschaften automatisch im Abfalleimer. Spätestens dann, wenn ich den Fußboden nicht mehr erkenne, weil da zu viele Chipstüten rumliegen.
Nikotinsüchtige haben es auch nicht einfach. Zu Hause dürfen sie nicht mehr rauchen und werden auf Balkone und vor die Türe verbannt. Dito in Restaurants uns Kneipen. Bei der Arbeit werden sie diskriminiert und in kleine Kaninchenställe verbannt, die zugig sind und nach kaltem Rauch stinken. Einzig und allein beim Spazierengehen können sie noch ein wenig der früheren Freiheit verspüren und da gehört es doch sicherlich dazu, dass man seine Kippe anschließend einfach unauffällig fallen lässt. Oder wenn man das unschön findet, die Kippe in einen Gullydeckel schubst.
Ist ja was ganz anderes, als diese stinkenden lästigen Hundehinterlassenschaften, in die man dauernd reintritt.
Eine Zigarettenkippe enthält genügend Nikotin und andere Giftstoffe, um damit einen Mord zu begehen.
Zitat Wikipedia: Der wasserlösliche Gehalt an Nikotin einer standardisierten Kippe liegt um das 14fache über dem EU-Grenzwert von 0,5 mg pro Gramm für gefährliche tabakhaltige Abfälle.[21] Daneben können in gebrauchten Zigarettenfiltern unter anderem noch Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Cadmium, Formaldehyd, Benzol, Nitrosamine, polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Teer und Tabakzusatzstoffe aus Resttabak enthalten sein.(*FN* https://de.wikipedia.org/wiki/Zigarettenstummel*FN*)
Das Bußgeld für diese unsachgemäße Abfallentsorgung liegt so circa um die € 35,- Also deutlich billier, als Hundekot, aber trotzdem: Man bedenke, wieviel Zigaretten man dafür kaufen könnte.

 

Sollte ein Waldbrand durch das Wegwerfen einer Kippe entstehen, kann es aber schon teurer werden: €25 000,-.*

Quelle: https://www.anwaltsregister.de/Rechtsratgeber/Zigarettenkippen_Verwarngelder_und_Bussgelder_bei_Verschmutzung_mit_Zigarettenkippen.d1065.html


Jetzt ist es aber so, dass ich als Nichtraucherin normalerweise keine Behältnisse mit mir rumführe, die ich dem Raucher anbieten könnte. Was soll ich aber tun?
Zähneknirschend wegsehen? - Mit jeder Kippe vergiftet der Raucher mein Grundwasser mit.

Wenn diese Abfallentsorgung zufällig auf einem Kinderspielplatz stattfindet, besteht die Gefahr, dass ein Kind die Kippe in den Mund steckt. Und sowas kann durchaus tödlich sein.

Soll ich also:

  • Höflich auf die Ordnungswidrigkeit hinweisen, mit der Bitte, dies zu unterlassen?

– Die Angst vor der Reaktion des Rauchers ist bei mir groß.

  • Schreiend darauf hinweisen, dass der Raucher eine Sau ist und ich ihn anzeigen werde?

- DIE Reaktion kann ich mir lebhaft vorstellen. Und die Anzeige wegen Beleidigung, die ich dann kassiere, auch.

  • Heimlich, still und leise eine Anzeige erstatten?

– Kompliziert, da ich ja die Namen der Personen nicht kenne und irgendwie käme ich mir wie ein Umweltnazi vor.

Ich könnte mich ja an einer Zigarettenpackung oder an einem Zigarettenautomaten festkleben. Aber auch da kann ich mir die Reaktion recht lebhaft vorstellen. Sieht man ja bei Autofahrern, denen man die freie Fahrt nimmt.

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