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Apfelsaft

Die Schildkrot hat einen freien Tag, der Zeisig aber muss arbeiten.

Deshalb beschließt die Krot, etwas Kreatives zu tun. Eigentlich sollte sie ihre Buchhaltung auf den neuesten Stand bringen. Das letzte Mal, als sie sich dazu kriegen konnte, da etwas zu tun, war Mitte Mai, kurz bevor sie mit dem Herrn Zeisig in den Urlaub nach Sardinien fuhr.

 

 

Dann wäre da noch ihr Mystery-Krimi, der der Überarbeitung harrt. Da geht es um viel Nebel und einen Fluss. Oder auch ihren fertigen Krimi, den sie eigentlich im Oktober veröffentliche wollte. Da wäre noch die Frage des Covers und des Formatierens. Also beschließt sie, ihrem Eichhörnchen-für-den-Winter-Vorräte-anlegen-Drang nachzugeben

 

Am Freitag hat die Schildkrot beim Herrn Zeisig, der Herr über viele Apfelbäume ist, Äpfel mit dem Apfelpflücker vom Baum gesammelt und mit dem Apfelaufsammler vom Boden gehoben. Es hat ihr richtig viel Spaß gemacht. Der Tag war sonnig, aber nicht heiß und nach knapp zwei Stunden hatte die Krot, drei Steigen mit Vorratsäpfel und einen großen Eimer mit leicht angeschlagenen Äpfeln zusammen. Der Zeisig hat die Steigen grummelnd in seiner Garage unter Decken vergraben, für den Winter. Grummelnd deswegen, weil er hat schon sehr viele Äpfel eingelagert und fragt sich, wie man das alles aufessen soll. Der Bekanntenkreis vom Zeisig ist auch schon gut mit Äpfeln versorgt und Schildkrots Söhne sind nicht so die Apfelesser. Verschicken an arme hungrige Kinder irgendwo auf der Welt wäre eventuell noch eine Option.

 

 

Äpfel
Äpfel im Herbst

 

Jedenfalls hat die Krot eine Liste gemacht, was sie braucht, um Apfelsaft zu produzieren:

 

  • zunächst Äpfel

  • eine Saftpresse

  • einen großen Topf

  • Flaschen mit Verschluss

  • einen Trichter

  • eine Schöpfkelle

  • ein Messer

  • Aufkleber für die Flaschen

 

Anfang September hat die Krot schon mal Apfelsaft gemacht. Der Herr Zeisig hat einen elektrischen Saftmacher, der eigentlich dafür gedacht ist, mal schnell ein Glas Saft zu machen, fürs Frühstück oder so.

 

Sie hat mit dem elektrischen Saftmacher gut drei Liter Saft produziert, hatte aber das Gefühl, dass das Gerät kurz vor dem Streiken war, es lag so ein seltsamer Geruch in der Luft…

 

Deshalb hat sich die Frau Krot von der Schwester des Zeisigs, ihre Mostpresse ausgeborgt, die sich Zeisigs Schwester vor kurzem gebraucht zugelegt hat.

 


Es ist Neun Uhr Morgens und die Frau Schildkrot baut alles in Zeisigs Garten auf. Zunächst die Wanne für den Apfelschredder.

 

Spülmaschine  mit Glasflaschen
Apfelschredder
Apfelschredder

Dann packt sie die Flaschen in des Zeisigs Spülmaschine, denn sie weiß, die Maschine braucht eine Weile.

 


Dazwischen muss sie sich um Kater kümmern.

 

Der Zeisig hat einen Katz. Der Katz ist etwas betagt und ein gewiefter Türenöffner. Nun soll der Katz aber lernen, eine Katzenklappe zu benutzen. So eine ganz schnieke, mit Eintrittscode. Speziell und nur für den Zeisig-Katz. Nur der Katz will nicht. Also muss die Frau Schildkrot so zwischendurch den Katz immer mal wieder durch die Klappe nach draußen schieben, damit er dann hoffentlich versucht, wieder ins Warme nach drinnen zu kommen. Allerdings lauert der Katz lieber darauf, mit hereinzuschlüpfen, wenn die Krot die Türe benutzt. Denn sie passt definitiv nicht durch die Katzenklappe.

 

Äpfel in der Wanne

Dann wäscht sie die Äpfel und schneidet sie klein und schreddert sie. 

 

Nachdem alle Äpfel geschreddert sind, baut die Krot die Mostpresse auf. Zunächst kommt da eine Art Strumpf rein. In den Strumpf kommen die geschredderten Äpfel und dann auf die Äpfel zwei halbe Rundscheiben aus Holz, dann einige Holzkeile, schließlich das Drehdings und dann dreht man und unten kommt der Saft raus und fließt in den Topf. Frau Krot merkt schnell, dass das System nicht so ganz ausgereift ist. Außerdem findet sie, dass die ausgepressten Äpfel immer noch recht feucht sind. Sie beschließt, noch einen zweiten Pressdurchgang mit dem elektrischen Safter zu starten.

 

Insgesamt sind es fünf Eimer Äpfel mit jeweils circa sechs Kilo Äpfel. Also schreddert die Krot alles in allem dreißig Kilo Äpfel. Das beschäftigt sie gut eineinhalb Stunden.

Auch wenn der gepresste Saft dann doch SEHR naturtrüb sein wird. Sie kann sich lebhaft vorstellen, dass der Zeisig nicht begeistert sein wird. Worte wie Hohe Stromrechnung und unökonomisch, fallen ihm dann immer ein.

 


Mit der Stromrechung könnte er recht haben, denkt sich die Schildkrot, während sie den Katz wieder mal durch die Katzenklappe bugsiert und dabei das vorwurfsvolle Gesicht ignoriert. Denn auch nachdem sie die gepressten Äfpel durch den elektrischen Entsafter gejagt hat, überlegt sie, ob man mit dem Trester nicht doch noch was anfangen könnte. Am Freitag hat sie ihren neuen Dörrapparat ausprobiert und ganz viele getrocknete Apfelringe gemacht Das hat von Abends um Acht bis am Nächsten Tag um Zwölf gedauert. Weil der Dörrapparat so surrt, hat der Zeisig ihn in die Garage verbannt. Aber die Krot konnte ihn nachts doch noch surren hören (den Dörrer, nicht den Zeisig…)

 

Jedenfalls hat die Krot mal was gelesen über Fruchtleder, in dem Kochbuch ihrer Mutter hieß das anders. Jedenfalls überlegt sie sich, ob das nicht auch mit dem Trester gehen müsste. Deshalb mach sie noch zwei Bleche fertig für Fruchtleder. Sie packt den Dörrapparat wieder in die Garage, diesmal ganz hinten, damit der Zeisig beim Heimkommen, den Apparat nicht überfährt. Sie denkt sogar daran, das Papier etwas zur Seite zu rücken, weil der Apparat ja warm wird und die Krot denkt, es wäre nicht so günstig, wenn das Fruchtleder verbrennen könnte. Als Kohle schmeckt es sicher nicht.

 


Das elektrische Entsaften dauert dann gute zwei Stunden. Mit Erhitzen und Abfüllen, sowie Reinigung des Tatortes ist es 15:00 Uhr bevor Frau Schildkrot endlich fertig ist.

 

Sie hat sogar hinterher alles aufgeputzt, weil sie weiß, dass der Zesig sonst schimpft. Die Schildkrot mag putzen nicht so wirklich. Da wünscht sie sich immer einen dienstbaren Geist, die sind aber irgendwie gerade auf Urlaub. Vielleicht, so überlegt sie, sollte sie mal auf so ein Angebot eingehen, wie es ab und an in der Zeitung zu finden ist. Da gibt es Nacktputzer, die bieten ihren Service für lau an. Sie überlegt, ob die Gewerkschaften da mitmachen und wie es dann mit dem Arbeitsschutz steht. Das alles scheint ihr dann doch zu kompliziert. Sie könnte auch warten bis der Zeisig zurück ist und anfangen, dann schimpft er, weil ihm das nicht ordentlich genug ist und er macht es vielleicht selber. Aber das ist ihr dann doch zu unsicher.

 

Am Ende des Tages kann die Frau Schildkrot auf 12 Liter Apfelsaft, eine erschöpfte Katz und zwei Platten misslungenem Apfelleder schauen.

 

Das Apfelleder, so nimmt sie sich vor, wird sie auf alle Fälle noch mal genauer nach Rezept machen. Vielleicht am kommenden Wochenende, denn da will sie dem Zeisig nochmal besuchen. Deshalb lässt sie dann ihren Dörrapparat gleich bei ihm

 

Das mit der Buchhaltung wird sie irgendwann vor Weihnachten noch mal in Angriff nehmen und ihre Grusel-Mystery vor Halloween fertig stellen.

 

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